Zum Umfang und zu den Auswirkungen von Überflutungen aus Starkregenereignissen in Deutschland besteht noch nicht ausreichend abgesichertes Wissen. Betrachtet man die Sturzflutereignisse der letzten 20 Jahre, ergibt sich auf der Basis von groben Abschätzungen ein Mittelwert von ca. 160 Mio. € Schaden pro Jahr in Deutschland, zudem sind immer wieder auch Tote und Verletzte zu beklagen.
Die auslösenden Niederschläge haben zwar bezogen auf den betroffenen Ort eine geringe Auftretens-wahrscheinlichkeit, sie stellen aber aufgrund ihrer hohen Zerstörungskraft und der kurzen Vorwarnzeit eine große Gefahr für Sachwerte und Menschen dar. Die Informationsbasis wurde bundesweit in den letzten Jahren verbessert, auf kommunaler Ebene fehlen aber noch weitgehend entsprechende Gefahrenkarten. Dadurch ist es vielerorts kaum möglich, konkrete, präventive Schutzmaßnahmen zu konzipieren.
In dem vom BMBF teilfinanzierten Forschungsvorhaben URBAS „Vorhersage und Management von Sturzfluten in urbanen Gebieten“ hat Hydrotec für den Zeitraum von 1976 bis 2006 ca. 300 „Sturzflut“-Ereignisse erfasst und eine grobe Schadensschätzung durchgeführt.
Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht, Zentrum für Material- und Küstenforschung hat Hydrotec im Namen des Climate Service Center (CSC) aktuell damit beauftragt, diese Datensammlung zu Extremniederschlagsereignissen fortzuführen.
Mittelfristiges Ziel der verschiedenen laufenden Forschungsvorhaben ist die Beantwortung der Fragen:
Die bestehende Datensammlung macht bereits deutlich, dass bei der Auftretenshäufigkeit der Ereignisse regionale Schwerpunkte in den Ballungsräumen in Nordrhein-Westfalen, den Orten entlang der Rheinschiene, den Mittelgebirgen und dem Alpenvorraum sowie den Großstädten Hamburg, Berlin, München und anderen liegen.
Die erfasste Ereignisanzahl hat in den jüngeren Jahren erheblich zugenommen. Es lässt sich nicht sagen, ob tatsächlich eine Zunahme der Ereignishäufigkeit z. B. aufgrund klimatischer Veränderungen stattgefunden hat oder lediglich bessere Daten für diesen Zeitraum vorlagen. Die Analyse der Ereignisse ab dem Jahr 2007 wird in diesem Punkt für mehr Klarheit sorgen.
Im Rahmen des Extremwetterkongresses, der im März 2012 in Hamburg stattfand, präsentierte unser Gesellschafter Fritz Hatzfeld das von uns im Auftrag des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe in Bonn entwickelte Konzept, nach dem Kommunen bestehende Gefährdungen und Risiken ermitteln und präventive Schutzmaßnahmen einleiten können.
Das am Beispiel des Bonner Ortsteils Mehlem entwickelte abgestufte Verfahren sieht folgende Schritte vor:
Dieses Verfahren lässt sich für jede Kommune effizient anwenden, da die benötigten Eingangsdaten mit Ausnahme der Gewässerprofile und Kanaldaten bundesweit vorliegen. Die Ergebnisse der Untersuchung liefern z. B. anhand von Steckbriefen konkrete Angaben zur Gefährdung einzelner Objekte. Damit sind öffentliche und private Eigentümer in der Lage, gezielte Maßnahmen zum Schutz vor Schäden durch Extremniederschläge zu ergreifen.
Dipl.-Ing. Fritz Hatzfeld